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Bukarester Kommuniqué

Unser Potenzial bestmöglich nutzen:
den Europäischen Hochschulraum konsolidieren


Wir, die für Hochschulbildung zuständigen Minister der 47 Länder des Europäischen Hochschulraums (EHR), sind am 26. und 27. April 2012 in Bukarest zusammengekommen, um Bilanz zu ziehen, was im Bologna-Prozess erreicht wurde, und um die künftigen Schwerpunkte des EHR zu vereinbaren.

Hochschulbildung als Zukunftsinvestition

Europa erlebt eine Wirtschafts- und Finanzkrise mit nachteiligen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Im Hochschulbereich wirkt sich die Krise auf die Verfügbarkeit entsprechender Mittel aus und führt zu unsicheren Beschäftigungsaussichten für Absolventinnen und Absolventen.

Die Hochschulbildung spielt eine wichtige Rolle bei der Lösung unserer derzeitigen Probleme. Starke und verantwortliche Hochschulsysteme sind die Basis für lebendige Wissensgesellschaften. Mehr denn je sollten die Hochschulen im Zentrum unserer Bemühungen zur Überwindung der Krise stehen.

In diesem Sinne verpflichten wir uns, als Investition in unsere Zukunft den Hochschulen die größtmögliche öffentliche Förderung zu sichern und hierfür auch andere geeignete Quellen zu nutzen. Wir werden unsere Hochschulen bei der Ausbildung kreativer, innovativer, kritisch denkender und verantwortungsbewusster Absolventinnen und Absolventen unterstützen, die wir für wirtschaftliches Wachstum und die nachhaltige Entwicklung unserer Demokratien brauchen. Wir wollen in diesem Sinne zusammenarbeiten, um die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern.

Der EHR gestern, heute und morgen

Die Bologna-Reformen haben dank der Beteiligung und des Engagements der Hochschulen, der Hochschul-Mitarbeiter und der Studierenden das Erscheinungsbild der Hochschulbildung in ganz Europa verändert.

Die Hochschulstrukturen in Europa sind jetzt kompatibler und besser vergleichbar. Qualitätssicherungssysteme wirken vertrauensbildend, die grenzüberschreitende Anerkennungsfähigkeit der Hochschulabschlüsse ist gestiegen, und es ist eine breitere Beteiligung an der Hochschulbildung festzustellen. Studierende profitieren heute von einem breiteren Studienangebot und sind zunehmend mobil. Die Vision eines integrierten EHR ist zum Greifen nahe.

Allerdings müssen wir, wie dies auch der Bericht zur Umsetzung des Bologna-Prozesses zeigt, weitere Anstrengungen unternehmen, um Fortschritte zu konsolidieren und auszubauen. Wir streben eine stärkere Kohärenz unserer Politiken an, insbesondere bei der vollständigen Umstellung auf die drei stufige Studienstruktur, der Nutzung von ECTS-Punkten, der Ausstellung des Diploma Supplements, der Verbesserung der Qualitätssicherung und der Umsetzung von Qualifikationsrahmen einschließlich der Definition und Evaluierung von Lernergebnissen.

Wir streben folgende Ziele an: qualitativ hochwertige Hochschulbildung für alle, Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit für Absolvent innen und Absolvent en und Stärkung der Mobilität für besseres Lernen.

Unsere Aktivitäten zur Erreichung dieser Ziele werden begleitet vom ständigen Bemühen, die nationale Praxis mit den Zielen und Maßnahmen des EHR in Einklang zu bringen und dabei die Politikbereiche an zu gehen, in denen weitere Arbeiten notwendig sind. Im Zeitraum 2012 – 2015 werden wir uns insbesondere darauf konzentrieren, unsere Hochschulen und Akteure bei ihren Bemühungen um sinnvolle Veränderungen umfassend zu unterstützen und die vollständige Umsetzung aller Bologna-Aktionslinien zu fördern.

Qualitativ hochwertige Hochschulbildung für alle

Ein breiterer Zugang zu Hochschulbildung ist eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt und wirtschaftliche Entwicklung. Wir wollen nationale Maßnahmen für einen breiteren allgemeinen Zugang zu qualitativ hochwertiger Hochschulbildung ergreifen. Wir streben an, in allen EHR-Ländern die Abschlussraten zu erhöhen und ein zügiges Vorankommen im Studium sicherzustellen.

Die Studierenden, die ein Hochschulstudium beginnen und abschließen, sollten die Vielfalt der europäischen Bevölkerung widerspiegeln. Wir werden uns verstärkt um unterrepräsentierte Gruppen kümmern, um die soziale Dimension der Hochschulbildung weiterzuentwickeln, Ungleichheiten zu verringern und adäquate Unterstützung und Beratung für Studierende sowie flexible Lernmöglichkeiten und alternative Zugangswege einschließlich der Anerkennung von Vorbildung (prior learning) zu bieten. Wir fordern zu gegenseitigem Lernen (peer learning) hinsichtlich der sozialen Dimension auf und wollen den Fortschritt in diesem Bereich kontrollieren.

Wir bekräftigen, dass wir einen lernerzentrierten Ansatz fördern wollen, der sich durch innovative Lehrmethoden auszeichnet, die Studierende als aktive Bildungsteilnehmer einbeziehen. Zusammen mit Hochschulen, Studierenden und Hochschul-Mitarbeitern fördern wir ein unterstützendes und motivierendes Arbeits- und Lernumfeld.

Hochschulbildung sollte ein offener Prozess sein, in dem Studierende neben dem Erwerb von Wissen und Fertigkeiten in ihrer jeweiligen Disziplin geistige Unabhängigkeit und Selbstsicherheit gewinnen. Durch das Lernen und Forschen an Hochschulen sollten Studierende die Fähigkeit erwerben, Situationen selbstbewusst einzuschätzen und auf der Grundlage kritischen Denkens zu handeln.

Qualitätssicherung ist von entscheidender Bedeutung für Vertrauensbildung und für die Stärkung der Attraktivität der Angebote im EHR einschließlich grenzübergreifender Studienprogramme. Wir verpflichten uns, nicht nur an der staatlichen Verantwortung für die Qualitätssicherung festzuhalten, sondern auch ein breites Spektrum an Akteuren in diese Entwicklung aktiv einzubeziehen. Wir danken für den Bericht von ENQA, ESU, EUA und EURASHE (E4-Gruppe) zur Umsetzung und Anwendung der Standards und Leitlinien für die Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulraum (ESG)¹. Wir werden die ESG überarbeiten, um ihre Klarheit, ihre Anwendbarkeit und ihren Nutzen sowie ihren Anwendungsbereich zu verbessern. Ausgangspunkt der Überarbeitung wird ein erster Vorschlag sein, der von der E4-Gruppe zusammen mit Education International, BUSINESSEUROPE und dem Europäischen Register für Qualitätssicherung in der Hochschulbildung (EQAR) erarbeitet und der Bologna Follow-up Gruppe vorgelegt wird.

1 European Association for Quality Assurance (2011): "Mapping the Implementation and Application of the ESG";

Wir begrüßen die externe Evaluierung des EQAR und fordern die Qualitätssicherungsagenturen auf, sich registrieren zu lassen. Wir werden den bei EQAR registrierten Agenturen gestatten, bei Beachtung nationaler Vorgaben ihre Aktivitäten im gesamten EHR durchzuführen. Insbesondere streben wir die Anerkennung von Entscheidungen an, die von bei EQAR registrierten Agenturen zu Studienprogrammen mit gemeinsamen Abschlüssen und Doppelabschlüssen getroffen wurden.

Wir bekräftigen, dass wir uns für die Beibehaltung der staatlichen Verantwortung für die Hochschulbildung einsetzen und bekennen uns dazu, dass zur Förderung und Steuerung der Hochschulen ein Dialog eröffnet werden muss. Wir stellen fest, dass die Weiterentwicklung geeigneter Förderinstrumente für die Erreichung unserer gemeinsamen Ziele wichtig ist. Weiterhin weisen wir darauf hin, dass es wichtig ist, in den Hochschulen effektivere Steuerungs- und Managementstrukturen aufzubauen. Wir verpflichten uns, die Mitwirkung von Studierenden und Hochschul-Mitarbeitern in Steuerungsstrukturen auf allen Ebenen zu unterstützen und betonen erneut, dass wir uns für eigenständige und verantwortliche Hochschulen einsetzen, die sich die wissenschaftliche Freiheit zu eigen machen.

Beschäftigungsfähigkeit in Europa bedarfsgerecht verbessern

Absolventen müssen heute sowohl über fachübergreifende, multidisziplinäre Kenntnisse und Innovationskompetenz als auch über aktuelles Fachwissen verfügen, um dem breiteren Bedarf in Gesellschaft und Arbeitsmarkt Rechnung tragen zu können. Wir wollen die Beschäftigungsfähigkeit und die persönliche und berufliche Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen während ihres gesamten Berufslebens verbessern. Dies wollen wir erreichen, indem wir die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, Studierenden und Hochschulen insbesondere bei der Entwicklung von Studiengängen verbessern, die zur Stärkung des Innovations-, Gründungs- und Forschungspotenzials der Absolventinnen und Absolventen beitragen. Lebenslanges Lernen gehört zu den wichtigen Faktoren, um dem Bedarf eines sich ändernden Arbeitsmarktes Rechnung zu tragen, und die Hochschulen spielen eine zentrale Rolle bei Wissenstransfer und Stärkung der regionalen Entwicklung, u. a. durch fortwährende Kompetenzentwicklung und Ausbau von Wissensallianzen.

Unsere Gesellschaften brauchen Hochschulen, die einen innovativen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten, und daher muss in der Hochschulbildung eine stärkere Verbindung zwischen Forschung, Lehre und Lernen auf allen Ebenen sichergestellt sein. Die Studiengänge müssen veränderte Forschungsschwerpunkte und neu entstehende Disziplinen widerspiegeln, und die Forschung sollte Lehre und Lernen unterstützen. In dieser Hinsicht werden wir die Vielfalt der Doktorandenprogramme erhalten. Unter Berücksichtigung der Salzburg II-Empfehlungen² und der Grundsätze für eine innovative Doktorandenausbildung³ werden wir untersuchen, wie wir Qualität, Transparenz, Beschäftigungsfähigkeit und Mobilität im dritten Zyklus fördern können, da die Doktorandenausbildung bei der Brückenbildung zwischen EHR und Europäischem Forschungsraum (EFR) eine besondere Rolle spielt. Neben der Doktorandenausbildung sind hochwertige Programme im zweiten Studienzyklus eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Verbindung von Lehre, Lernen und Forschung. Unter Beibehaltung einer großen Vielfalt und bei gleichzeitiger Verbesserung der Verständlichkeit könnten wir auch weitere gemeinsame Grundsätze für Masterstudiengänge im EHR untersuchen, die die bisherigen Anstrengungen in diesem Bereich berücksichtigen4.

2 European University Association (2010): “Salzburg II Recommendations”;
3 European Commission (2011): "Report of Mapping Exercise on Doctoral Training in Europe – Towards a common approach";
4 European University Association (2009): “Survey of Master Degrees in Europe”;

Zur Konsolidierung des EHR ist eine sinnvolle Umsetzung der Lernergebnisse erforderlich. Entwicklung, Verständnis und praktischer Nutzen der Lernergebnisse sind entscheidend für den Erfolg von ECTS, Diploma Supplement, Anerkennung, Qualifikationsrahmen und Qualitätssicherung, die alle miteinander zusammenhängen. Wir fordern die Hochschulen auf, Kreditpunkte stärker mit Lernergebnissen und Studienpensum zu verknüpfen und das Erzielen von Lernergebnissen in Bewertungsverfahren aufzunehmen. Wir wollen sicherstellen, dass der ECTS Users’ Guide5 dem Stand der laufenden Arbeiten zu Lernergebnissen und Anerkennung der Vorbildung voll entspricht.

5 European Commission (2009): "ECTS Users’ Guide";

Wir begrüßen den Fortschritt bei der Entwicklung von Qualifikationsrahmen; sie verbessern die Transparenz und ermöglichen offenere und flexiblere Hochschulsysteme. Wir stellen fest, dass es in der Praxis schwieriger sein kann, die Vorzüge von Qualifikationsrahmen voll zu entfalten als die Strukturen zu entwickeln. Die Entwicklung von Qualifikationsrahmen muss weitergeführt werden, so dass sie für Studierende, Hochschul-Mitarbeiter und Arbeitgeber alltägliche Realität werden. Inzwischen stehen einige Länder vor Problemen bei der vollständigen Umsetzung des nationalen Rahmens und bei der Herstellung der Kompatibilität mit dem Qualifikationsrahmen des EHR (QR-EHR) bis Ende 2012. Diese Länder müssen ihre Anstrengungen verstärken und die Unterstützung und Erfahrung anderer nutzen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ein gemeinsames Verständnis der Niveaustufen unserer Qualifikationsrahmen ist entscheidend für die Anerkennung sowohl für akademische als auch für berufliche Zwecke. Schulabschlüsse, die zum Hochschulzugang berechtigen, werden dem EQR-Niveau 4 oder entsprechenden Niveaus in nicht an den EQR gebundenen Ländern zugeordnet, wenn sie in den nationalen Qualifikationsrahmen erfasst sind. Wir verpflichten uns weiterhin, Qualifikationen des ersten, zweiten und dritten Studienzyklus jeweils den EQR-Niveaus 6, 7 und 8 oder entsprechenden Niveaus in nicht an den EQR gebundenen Ländern zuzuordnen. Wir werden untersuchen, wie mit dem QR-EHR den Abschlüssen von Kurzstudiengängen (short cycle qualifications, EQR-Niveau 5) Rechnung getragen werden kann, und werden die Länder auffordern, den QR-EHR für die Zuordnung dieser Qualifikationen im nationalen Kontext zu verwenden, sofern es diese dort gibt. Wir fordern den Europarat und die Europäische Kommission auf, weiterhin ihre Maßnahmen zu koordinieren, damit die jeweiligen Qualifikationsrahmen in der Praxis gut funktionieren.

Wir begrüßen, dass der Vorschlag der Europäischen Kommission für die Überarbeitung der EU-Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen deutlich auf ECTS, den Europäischen Qualifikationsrahmen und Lernergebnisse Bezug nimmt. Wir betonen, dass es wichtig ist, diese Elemente bei Anerkennungsentscheidungen angemessen zu berücksichtigen.

Mobilität für besseres Lernen stärken

Lernmobilität ist von entscheidender Bedeutung, um die Qualität der Hochschulbildung sicherzustellen, die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden zu verbessern und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb des EHR und darüber hinaus auszubauen. Ergänzend beschließen wir die Mobilitätsstrategie6, die einschließlich ihres Mobilitätsziels ein integraler Bestandteil unserer Maßnahmen zur Förderung der Internationalisierung im gesamten Hochschulbereich sein wird.

6 Bucharest Ministerial Conference (2012): "Mobility for Better Learning. Mobility strategy 2020 for the European Higher Education Area (EHEA)";

Eine ausreichende finanzielle Unterstützung der Studierenden ist entscheidend für die Sicherung gleicher Zugangs- und Mobilitätschancen. Wir weisen erneut darauf hin, dass wir die volle Mitnahmefähigkeit nationaler Zuschüsse und Darlehen innerhalb des EHR unterstützen, und fordern die Europäische Union auf, dies im Rahmen ihrer Maßnahmen zu unterstützen.

Im Zentrum des EHR steht die faire akademische und berufliche Anerkennung einschließlich der Anerkennung nichtformaler und informeller Bildung. Dies dient unmittelbar der akademischen Mobilität der Studierenden, verbessert die Chancen der Absolventinnen und Absolventen auf berufliche Mobilität und ist ein genauer Maßstab für erreichte Konvergenz und erzieltes Vertrauen. Wir sind entschlossen, noch bestehende Hindernisse für eine effektive und angemessene Anerkennung abzubauen und sind bereit, als langfristiges Ziel des EHR auf Grundlage der Instrumente im Rahmen des Bologna-Prozesses gemeinsam auf die automatische Anerkennung vergleichbarer Hochschulabschlüsse hinzuwirken. Daher verpflichten wir uns zu einer Prüfung unserer nationalen Gesetze, um dem Lissabonner Anerkennungsübereinkommen7 Rechnung zu tragen. Wir begrüßen das Handbuch für den Europäischen Anerkennungsraum (EAR)8 und empfehlen, dieses als Zusammenstellung von Leitlinien für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen und als Kompendium guter Praxis zu nutzen, und fordern Hochschulen und Qualitätssicherungsagenturen auf, eigene Anerkennungsverfahren bei interner und externer Qualitätssicherung zu prüfen.

7 Council of Europe/UNESCO (1997): "Lisbon Convention on the Recognition of Qualifications concerning Higher Education in the European Region";
8 NUFFIC, Netherlands Organisation for International Cooperation in higher education (2012): "European Area of Recognition Manual";

Unser Ziel sind offene Hochschulsysteme und eine stärker ausgewogene Mobilität im EHR. Werden Mobilitätsungleichgewichte zwischen EHR-Ländern von mindestens einer Partei als unhaltbar angesehen, fordern wir die betreffenden Länder auf, entsprechend der EHR-Mobilitätsstrategie gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Wir bestärken die Hochschulen in der Weiterentwicklung gemeinsamer Studiengänge und Abschlüsse im Rahmen eines breiteren EHR-Ansatzes. Wir prüfen nationale Regeln und Praktiken bezüglich gemeinsamer Studiengänge und Abschlüsse als möglichen Weg zum Abbau von Hindernissen für Kooperation und Mobilität im nationalen Kontext.

Zusammenarbeit mit anderen Weltregionen und internationale Offenheit sind Schlüsselfaktoren für die Entwicklung des EHR. Wir verpflichten uns, weiterhin das weltweite Verständnis der EHR-Ziele und Grundsätze entsprechend den strategischen Schwerpunkten, die in der Strategie von 2007 für den EHR im globalen Kontext9 festgeschrieben sind, zu untersuchen. Wir werden die Umsetzung der Strategie bis 2015 evaluieren, um Leitlinien für weitere Entwicklungen zur Internationalisierung aufstellen zu können. Das Bologna Policy Forum wird weiterhin die Möglichkeit zum Dialog bieten, und dieses Format wird mit unseren weltweiten Partnern weiterentwickelt.

6 London Ministerial Conference (2007): "European Higher Education in a Global Setting. A Strategy for the External Dimension of the Bologna Process".

Verbesserung der Datensammlung und Transparenz zur Stärkung politischer Ziele

Wir begrüßen die verbesserte Qualität der Daten und Informationen zur Hochschulbildung. Wir fordern stärker zielgerichtete Datensammlung und Zuordnung zu gemeinsamen Indikatoren, insbesondere zu Beschäftigungsfähigkeit, sozialer Dimension, lebenslangem Lernen, Internationalisierung, Mitnahmefähigkeit der Zuschüsse/Darlehen sowie Mobilität von Studierenden und Hochschul-Mitarbeitern. Wir fordern Eurostat, Eurydice und Eurostudent auf, die Umsetzung der Reformen zu überwachen und im Jahr 2015 Rückmeldung zu geben.

Wir fördern die Entwicklung eines Systems des freiwilligen gegenseitigen Lernens und Bewertens in Ländern, die dies wünschen. Das trägt dazu bei, den Grad der Umsetzung der Bologna-Reformen abzuschätzen und gute Praktiken als dynamische Möglichkeit der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der europäischen Hochschulbildung zu fördern.

Wir wollen dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit, insbesondere Studierende und Arbeitgeber, die Hochschulsysteme besser verstehen können. Wir werden die Verbesserung der aktuellen und in Entwicklung befindlichen Transparenzinstrumente unterstützen, um sie mehr auf die Nutzer auszurichten und in empirischen Erkenntnissen zu verankern. Unser Ziel ist die Vereinbarung gemeinsamer Transparenz-Leitlinien bis 2015.

Schwerpunkte für den Zeitraum 2012-2015

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Hauptziele des EHR für die kommenden Jahre legen wir folgende Schwerpunkte für Aktivitäten bis 2015 fest:

Auf nationaler Ebene werden wir zusammen mit den einschlägigen Akteuren, insbesondere den Hochschulen:

  • die Erkenntnisse des Bologna Implementation Report 2012 eingehend prüfen und seine Schlussfolgerungen und Empfehlungen berücksichtigen
  • politische Leitlinien für einen breiteren allgemeinen Zugang und höhere Abschlussraten stärken, u. a. Maßnahmen, die auf eine höhere Beteiligung unterrepräsentierter Gruppen abzielen
  • Rahmenbedingungen schaffen, die ein lernerzentriertes Studium, innovative Lehrmethoden und ein unterstützendes und motivierendes Arbeits- und Lernumfeld fördern und dabei Studierende und Hochschul-Mitarbeiter weiterhin in Steuerungsstrukturen auf allen Ebenen einbinden
  • den bei EQAR registrierten Qualitätssicherungsagenturen gestatten, bei Beachtung nationaler Vorgaben ihre Aktivitäten im gesamten EHR durchzuführen
  • darauf hinwirken, dass Beschäftigungsfähigkeit, lebenslanges Lernen, Problemlösung und unternehmerische Fähigkeiten durch verbesserte Zusammenarbeit mit Arbeitgebern insbesondere bei der Entwicklung von Bildungsangeboten gestärkt werden
  • sicherstellen, dass Qualifikationsrahmen, ECTS und Diploma Supplement auf Lernergebnissen basieren
  • Länder, die nicht in der Lage sind, die Umsetzung eines nationalen QR-EHR-kompatiblen Qualifikationsrahmens bis Ende 2012 abzuschließen, auffordern, ihre Anstrengungen zu verstärken und einen überarbeiteten Maßnahmenplan dafür vorzulegen
  • die Empfehlungen der Mobilitätsstrategie umsetzen und uns für die volle Mitnahmefähigkeit nationaler Zuschüsse und Darlehen innerhalb des EHR einsetzen
  • die nationalen Gesetze überprüfen, um dem Lissabonner Anerkennungsübereinkommen voll Rechnung zu tragen, und die Anwendung des EAR-Handbuchs fördern, um die Anerkennungspraxis voranzubringen
  • wissensbasierte Allianzen im EHR mit Schwerpunkt auf Forschung und Technologie fördern.
Auf europäischer Ebene werden wir im Vorfeld der Ministerkonferenz 2015 und zusammen mit den einschlägigen Akteuren:

  • Eurostat, Eurydice und Eurostudent bitten, den Fortschritt bei der Umsetzung der Reformen des Bologna-Prozesses und der Mobilitätsstrategie zu überwachen
  • bis 2013 ein System des freiwilligen gegenseitigen Lernens und Bewertens in Ländern, die dies wünschen, entwickeln und ein Pilotprojekt zur Förderung des Voneinanderlernens hinsichtlich der sozialen Dimension der Hochschulbildung anbahnen
  • einen Vorschlag für eine überarbeitete Fassung der ESG zur Verabschiedung erarbeiten
  • Qualität, Transparenz, Beschäftigungsfähigkeit und Mobilität im dritten Studienzyklus fördern und gleichzeitig weitere Brücken zwischen EHR und EFR bauen
  • sicherstellen, dass der ECTS Users’ Guide dem Stand der laufenden Arbeiten zu Lernergebnissen und Anerkennung der Vorbildung voll entspricht
  • die Arbeiten koordinieren, die sicherstellen sollen, dass die Qualifikationsrahmen in der Praxis funktionieren, wobei die Betonung auf der Verknüpfung mit Lernergebnissen liegt, und untersuchen, wie mit dem QR-EHR den Abschlüssen von Kurzstudiengängen im nationalen Kontext Rechnung getragen werden kann
  • die Arbeit einer Vorreitergruppe von Ländern unterstützen, die die Möglichkeiten einer automatischen akademischen Anerkennung vergleichbarer Abschlüsse untersucht
  • nationale Gesetze und Praktiken bezüglich gemeinsamer Studiengänge und Abschlüsse als möglichen Weg zum Abbau von Hindernissen für Kooperation und Mobilität im nationalen Kontext prüfen
  • die Umsetzung der Strategie für den EHR im globalen Kontext evaluieren
  • EHR-Leitlinien für Transparenzmaßnahmen entwickeln und aktuelle und in der Entwicklung begriffene Transparenzinstrumente weiter beobachten.

Die nächste EHR-Ministerkonferenz, auf der über die Fortschritte für die oben festgelegten Schwerpunkte Bilanz gezogen wird, findet 2015 in Eriwan, Armenien, statt.