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KZ-Nebenlager Peggau – Projekt „Marmor”

Am 17. August 1944 wurden 400 Häftlinge des KZ Mauthausen in ein 20 Baracken umfassendes Nebenlager bei Peggau auf einem enteigneten Grundstück des Stifts Vorau verlegt. Diese arbeiteten in dem etwa einen Kilometer entfernten Steinbruch der SS-Firma ‚Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH’ sowie für die unterirdische Flugzeugteile- und Panzerherstellung des Werks Thondorf der Steyr-Daimler-Puch AG.

Im September 1944 begann das Institut für Straßenbau der Technischen Hochschule Graz mit dem „Bauvorhaben Marmor”1, das am 20. Dezember 1944 von Rüstungsminister Fritz Todt als „Dringlichkeitsstufe der Mindestprogrammbauten” genehimgt wurde. Vom Institutsleiter Dipl.-Ing. Ernst von Gottstein wurde der ehemalige NSDStB-Funktionär2 Sepp Held mit der Durchführung beauftragt. Held begann zunächst mit Zeit- und Arbeitsaufwandstudien für den Bau der neun Stollen mit je 75 Meter Länge auf dem Gelände des Steinbruchs. Für den Stollenbau wurden laufend die Verlegungen aus den Hauptlager Mauthausen und dem Außenlager Leibnitz-Graz erhöht, so dass im Frühjahr 1945 bereits 888 Personen in Peggau interniert waren. Die Arbeit an den Stollen erfolgte in zwei Schichten zu je 12 Stunden. Auf Grund der geologischen Bedingungen zog Held eine Grazer Baufirma heran, die die Stollen ausmauerte. Dafür entwickelte das Institut für Festigkeitslehre der TU-Graz neue Druckversuche für den verwendeten Beton.

Am 2. April 1945 wurde die Räumung des KZ-Nebenlagers Peggau angeordnet. Die SS erschoss in den Stollen 15 marschunfähige KZ-Insassen. Die restlichen 850 Personen wurden unter SS-Bewachung nach Bruck an der Mur getrieben und von dort in Güterwagen nach Mauthausen transportiert, wo am 7. April 1945 820 Häftlinge lebend, 21 nur mehr tot ankamen. Über das Schicksal der restlichen neun Personen besteht nach wie vor Ungewissheit.

Das Nebenlager Peggau

Zur Bewachung der KZ-Insassen wurden 15 Angehörige der Schutzpolizei und etwa 80 ukrainische Polizisten herangezogen. Die vorhandenen Berichte sprechen von schwersten Misshandlungen und jeder Menge vorsätzlicher Tötungen. Die genaue Anzahl der Toten lässt sich nicht mehr erruieren, da diese bis Ende 1944 im Krematorium in Graz eingeäschert und dannach in Massengräbern beigesetzt wurden. Von den bekannten Massegräbern wurden 138 Leichen exhumiert und in ihre Heimatländer überstellt, 82 namenlose Opfer verblieben in der Nähe des ehemaligen Lagers beerdigt. Mittlerweile konnten davon 44 Opfer durch umfangreiche Nachforschungen im Landesarchiv, im Archiv des gerichtsmedizinischen Instituts Graz sowie im Archiv der Gedenkstätte Mauthausen identifizieren werden.

Der Lagerkommandant Fritz Miroff wurde 1947 in einem Militärprozess zum Tode verurteilte. Der Leiter der Wachmannschaft Franz Weber wurde wegen der Misshandlungen in einem Volksgerichtsprozess am 11. September 1946 zunächst zu 20 Jahre Haft verurteilt, der Oberste Gerichtshof hob dieses Urteil jedoch wieder auf. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde eine Zusatzstrafe von 7 Jahren, 2 Monaten und 7 Tagen verhängt.

Anmerkungen:

    1.  Untersuchungen über den Einfluß verschiedener Abbaumethoden auf den Baufortschritt und den Arbeitsaufwand bei der Herstellung von Fertigungstunnel des Bauvorhabens XVIII/VIII A 8(M)
    2.  Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund (NSDStB)

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