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Technikfolgenabschätzung

Die Technikfolgenabschätzung als Disziplin, wenn sie überhaupt eine solche ist, steht mit ihren etwa 40 Jahren quasi noch in ihrer Jugend und ist von ihrem Theoriegebilde nur schwerlich mit den über 900 Jahre alten klassischen akademischen Grunddisziplinen Theologie, Medizin, Rechtswissenschaft und Philosophie zu vergleichen. Vom theoretischen Zugang sind überhaupt nur fragile, kaum anerkannte Bruchstücke vorhanden, die allesamt auf spezielle und äußerst enge Rahmenbedingungen aufbauen. Es verwundert daher kaum, dass Technikfolgenabschätzung ein hohes Mass an Praxisorientierung aufweist und zumeist zielgerichtet den Interessen von AuftraggeberInnen dienen. Diese Interessen liegen überwiegend in einer Beratungsaufgabe zur Festlegung diverser Rahmenbedingungen durch universitäre oder politische Organe. Da aber situationsunabhängige Theorien – von kleinen Einsprengseln aus Soziologie und Philosophie mal abgesehen – fehlen, kann sich auch der praktische Zugang nicht von einem Theroiegebilde leiten lassen. Da in der Praxis damit aber die Technikfolgenabschätzung nach belieben abgehandelt werden kann, verbirgt sich hinter dem Begriff nur mehr ein Sammelsurium unterschiedlichster Vorstellungen, abhängig davon, wer das Wort in den Mund nimmt. Daher muss auch in Frage gestellt werden, ob es sich überhaupt um eine wissenschaftliche Disziplin handelt. Da jedoch die Technikfolgenabschätzung in ihrer Analysetätigkeit zwangsweise im hohen Masse auf theoretische Modelle zurückgreifen muss, besteht eine Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis. Das Fehlen einer grossen Theorie der Technikfolgenabschätzung selbst, tut dabei keinen Abbruch.

Aber auch durch die praktische Handhabung selbst ergeben sich unter den unterschiedlichen Auffassungen von Technikfolgenabschätzung Gemeinsamkeiten. Zwei davon sind offensichtlich – der Anspruch auf einer wissenschaftlichen Basis zu stehen und über die Ergründung der Auswirkungen, der Konnex zur Gesellschaft. Seit einigen Jahren kommt noch die Umwelt hinzu. Dies harmoniert auch mit den öffentlichen Aufgaben einer Universität, da diese zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt als oberste Zielsetzung seit 1993 sogar rechtlich verpflichtet sind. Wovon der Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft schon davor bestand. Weiters hat der Abschätzungsprozess nicht bloß einen einzigen Anwendungsfall im Auge, sondern generiert neues Wissen zur Bewältigung ganzer Gruppen von Anwendungsfällen – dies jedoch nur innerhalb der jeweilig verwendeten Definition, nicht jedoch über konkurierende hinweg.

Die Ergründung der Auswirkungen inkludiert selbstverständlich auch ungewollte Nebeneffekte. Und da nicht die Ergründung von Ursachen bestehender Fehlentwicklungen das eigentliche Ziel ist, sondern schon im vermeiden dieser liegt, kann zumeist nicht oder nur im geringen Ausmass auf Erfahrungen aufgebaut werden. Deshalb muss hier auf theoretische Konzepte zurückgegriffen werden, die mit teilweise hoher Unsicherheit oder sagen wir Unschärfe brauchbare Modelle liefern. Das Problem mit dieser Unschärfe umgehen zu müssen, ist eine weitere Gemeinsamkeit. Und dieses Problem ist alles andere als einfach, weil es in zweierlei Hinsicht besteht – einerseits im Rahmen der Abschätzung selbst und andererseits auf Seite jener EntscheidungsträgerInnen, die bedarfsorientierte Ergebnisse benötigen. Womit Technikfolgenabschätzung zumindest einen Anhaltspunkt zu einem gesellschaftlichen Bedarf braucht und nicht alleine der Forschung Willen betrieben werden kann. Hier beißt sich aber die Katze insofern in den Schwanz, als Wissenschaftstheorien generalisierend sind, die Notwendigkeit nach einer Bedarfsorientierung jedoch dem entgegensteht.