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Wissenschaft, Technik und Gesellschaft

Schon seit einigen Jahren thematisieren wir das Zusammenspiel von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft. Nicht nur Erfahrungen der Vergangenheit, sondern auch aktuelle Ereignisse, wie die Enthüllungen auf Wikileaks, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder der Nuklearunfall in Fukushima, haben gezeigt, dass Technik und Fortschritt starke – und nicht immer positive – Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben.

Um uns alle auf die neuen Anforderungen in einer technisierten Welt vorzubereiten, ist es notwendig, auch unsere Bildung an diese neuen Herausforderungen anzupassen. Doch wie können wir die Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft an der TU Graz etablieren?

Um sich mit diesem Thema auf einer breiten Basis befassen zu können wurde vor sechs Jahren die unabhängige Studierendeninitiative „Wissenschaft, Technik und Gesellschaft“ (kurz WTuG) von der BLATT ins Leben gerufen, die zwei Jahren lang äußerst aktiv war und sich mittlerweile aufgelöst hat. Etwa die Hälfte der WTuG-Gruppe waren BLATT-Leute und der Rest unfraktioniert. In der ersten Phase des Projektes wurden einige Veranstaltungen durchgeführt (z.B.: Climate Curricula Challenge, Wirtschaftskrise: einfach verrechnet?, Posterwettbewerb „I, Society“). Außerdem wurde diese Gruppe beim Ideenwettbewerb der TU Graz (Best Ideas) mit der silbernen Urkunde ausgezeichnet. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe dienen heute als Basis weiterer Aktivitäten.

 
Zur Dokumentation: Das Leitbild der Gruppe WTuG

Das 21. Jahrhundert – Zeit des Wandels?

Mit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert war es möglich, Energie in großem Ausmaß zur Verfügung zu stellen. Daraus folgte die industrielle Revolution und in den anschließenden zwei Jahrhunderten fand eine beispiellose Technologieentwicklung statt. Diese Entwicklungen führten anfangs fast ausschließlich zu mehr Wohlstand, Sicherheit und Bequemlichkeit unserer Gesellschaft. Spätestens seit der Erfindung der Atombombe, den gesundheitlichen Auswirkungen von Asbest oder den Auswirkungen des industriellen Fortschrittes, wie die globale Erwärmung und das Wachsen des Ozonlochs, wissen wir aber, dass Innovation nicht immer nur positiv zu bewerten ist.

Heute scheint Ressourcenknappheit - entstanden durch rücksichtslose Ausbeutung von Rohstoffen - zu einem Wandel in der Energiewirtschaft zu führen. Doch nicht nur am Energiesektor kommt es zu grundlegenden Veränderungen. Auch die Beeinträchtigung der Privatsphäre durch neue Kommunikations-, Informations- und Sicherheitstechnologien zeigt, wie wichtig es ist, sich intensiver mit dem Thema der gegenseitigen Beeinflussung von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Offenbar kommt es also im Moment zu einem Wandel – einem Wandel der Technik, der durch knappe Ressourcen notwendig wird und einem Wandel im Umgang mit Innovation und Fortschritt.

Diese Veränderungen machen es unbedingt notwendig, die Lehre an technischen Universitäten an heutige Gegebenheiten anzupassen. Nicht nur renommierte amerikanische Universitäten, sondern auch viele anerkannte Lehr- und Forschungseinrichtungen in Europa haben diese Problematik erkannt, und lassen bereits neue Elemente in ihre Lehrpläne einfließen. Weiters wurde vielerorts bereits festgestellt, dass es besonders in technischen Studien leicht zu eingeschränkten Denkweisen kommen kann, was wiederum zum oft zitierten "Fachidioten" führt. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was eine Universität denn heute noch von einer Fachhochschule unterscheidet. Die Differenz kann doch nicht nur in der besseren Betreuung der Studierenden an FHs bestehen…

Aus den erwähnten Gründen finden wir es essentiell, sich mit dem Thema Technik und Gesellschaft im Laufe des technischen Studiums näher zu beschäftigen. Unsere Vision beinhaltet drei verschiedene Bereiche, die im Folgenden vorgestellt werden sollen:

Forschung: Ausrichtung und Reflexion
Studienpläne/Lehrangebot
Uni als Diskussionsraum

Forschung: Ausrichtung und Reflexion

Ist die Forschung frei? Oder: Wem gegenüber ist die Forschung an der TU Graz in Zeiten erhöhter Drittmittelbeteiligung verpflichtet? Unserer Meinung muss an einer Universität nicht nur hinterfragt werden, wozu eine neue Technologie führen kann, sondern auch, woher sie kommt. Durch Geldgeber aus der Wirtschaft werden Entwicklungen in eine bestimmte Richtung getrieben – nämlich die, die dem Geldgeber am meisten bringt. Um die Freiheit der Forschung zu gewährleisten fordern wir die Einführung einer unabhängigen Organisationseinheit zur Kontrolle von Forschung und Entwicklung an der TU Graz. Unabhängige Institute wie das Institut für Technikfolgenabschätzung existieren zwar schon, unserer Meinung nach ist es aber wichtig, dass die Menschen, die sich mit dem Thema an der TU auseinandersetzen, aus der Technik kommen. Ziel ist die Einrichtung eines eigenen Institutes für Wissenschaft, Technik und Gesellschaft, das bestehende und neue Projekte evaluieren soll und sich wissenschaftlich mit Technikfolgenabschätzung und den Wechselwirkungen zwischen Technik und Gesellschaft auseinandersetzen soll. Zusätzlich soll es pro Fakultät eine Person geben, die in ständigem Kontakt zum Institut für Wissenschaft, Technik und Gesellschaft steht, aber auch Einblick in aktuelle Forschungsgebiete hat.

Studienpläne/Lehrangebot

Nachhaltigkeit und ein Reflexion im Umgang mit neuen Technologien können sich nur etablieren, wenn auch die Bildung danach ausgerichtet ist. In einigen Studienrichtungen gibt es schon Pflichtlehrveranstaltungen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, oft wird der Zusammenhang von Technik und Gesellschaft aber erst im Masterstudium behandelt. Unserer Meinung nach ist es sinnvoller, sich während des gesamten Studiums damit zu beschäftigen. Wir wollen eigenständige verpflichtende Lehrveranstaltungen, die sich mit dem Themenkomplex Wissenschaft, Technik und Gesellschaft auseinandersetzen, in allen wichtigen Phasen des Studiums. Vor allem sollen diese Lehrveranstaltungen in der Studieneingangsphase (besonders wichtig, da eine Sensibilisierung am Anfang stattfinden muss), am Ende des Bakkelaureats und begleitend zur Diplomarbeit stattfinden. Das Gesamtausmaß dieser Lehrveranstaltungen soll etwa 5 bis 15 ECTS ausmachen. Die Kenntnis von der Interaktion zwischen Technik und Gesellschaft ist wesentlich und soll im Qualifikationsprofil des Mustercurriculums verankert werden. Idealerweise sollte der genannte Themenkomplex nicht nur in einzelnen, extra dafür ausgerichteten Lehrveranstaltungen behandelt werden, sondern sich durch das gesamte TU-Studium ziehen. Man könnte beispielsweise auch pro Lehrveranstaltung eine Einheit dazu verwenden, sich mit dem in der Lehrveranstaltung behandelten Thema kritisch auseinanderzusetzen.

Technische Universität als Diskussionsraum

Eine Universität sollte Veranstaltungen, die zu Meinungsbildung und Reflexion beitragen, unterstützen. Diese Veranstaltungen können verschiedene Formen annehmen wie Podiumsdiskussionen, Vorträge oder Filmvorführungen. Wir wollen, dass die TU eine Plattform zur Verfügung stellt, auf der sich verschiedene Organisationen wie HTU oder IFZ vernetzen können und die Möglichkeit besteht, solche Veranstaltungen anzukündigen. Im Idealfall könnten solche Veranstaltungen auch zur internen Selbstreflexion der TU genützt werden, wo ständig unter Mitarbeit von ProfessorInnen, Studierenden und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen Evaluierungen des aktuellen Systems durchgeführt werden.