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Bildungsökonomisierung

Du hättest gerne ...

… eine vernünftige Betreuung durch TutorInnen (StudienassistentInnen) in den Übungen zu Beginn des Studiums? – Vor zehn Jahren war das Betreuungsverhältnis in den ersten beiden Semestern noch ungefähr 1 zu 10 mittlerweile ist es eher 1 zu 50!
… vielseitige und interessante Wahl(pflicht)fächer in deinem Studienplan? – Leider werden kleine bzw. zu schlecht besuchte Lehrveranstaltungen zunehmend abgesagt oder sogar aus den Studienplänen gestrichen. Gleichzeitig gibt es in den neuen Stuidenplänen immer mehr Pflichtfächer (jeder/m Prof. „ihre/seine“ Pflichtlehrveranstaltung, damit die LV ausreichend viele „KonsumentInnen“ hat).
… eineN BetreuerIn für dein Projekt, deine Diplom-, oder Bachelorarbeit? – Leider haben die ProfessorInnen immer weniger Zeit für direkte Betreuung, weil sie sich selbst im Konkurrenzkampf um Drittmittel und Forschungsförderungsgelder behaupten müssen, da ihre Institute sonst permanent an bedrohlichem Geldmangel leiden.

Die Umsetzung dieser Wünsche wäre ganz einfach zu erreichen: durch die ausreichende Finanzierung der Universitäten. Das bedeutet, dass der Staat genügend Mittel bereitstellt, um Lehre und Forschung vollständig abzudecken – das sind 2% des BIP pro Jahr. Seit 1995 sinken die österreichischen Ausgaben für die Hochschulen stetig. Mit den heute ausgegebenen 1,3% des BIP liegt Österreich im OECD-Schnitt an 20. Stelle – und das als siebtreichstes Land der Welt. Unsere Bildung wird kaputt gespart.

Die BLATT-GRAS fordert die sofortige Erhöhung der Bildungsausgaben auf 2% des BIP – das bedeutet zusätzlich 200 Mio. mehr pro Jahr. Wenn für die Universitäten Banken wären, hätte die Regierung sie schon lange gerettet!

Du würdest gerne…

… ein Master- oder Doktoratsstudium machen? Pech gehabt – Das Nationalrat hat mit einer Novelle des Universitätsgesetzes weitere Zugangsbeschränkungen vorgesehen. Die Erklärung der ÖVP für die Probleme der Universitäten lautet: zu viele Studierende. Die SPÖ hat sich mit dieser Erklärung arrangiert und sieht nun weiter stillschweigend zu, während die Universitäten immer mehr ausgehungert werden.

„Zu viele Studierende“ sind also schuld an der schlechten Situation der Universitäten - ziemlich absurd, wenn man bedenkt, dass Österreich eine sehr niedrige AkademikerInnenquote hat: innerhalb der OECD ist das der drittletzte Platz. Allein um den Durchschnitt der OECD-Staaten zu erreichen, bräuchte Österreich 100.000 StudentInnen mehr.

Um höhere Bildung in Österreich sinnvoll organisieren zu können, braucht es endlich eine positive Abgrenzung zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Deren Aufgaben müssen in einem Gesamtkonzept, das auch Schulen und Kindergärten mitdenkt, klar definiert werden, um bewusste Entscheidungen über den eigenen Bildungsweg möglich zu machen.

Die BLATT-GRAS fordert die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes, das alle Bildungsinstitutionen gleichwertig und aufeinander abgestimmt mitdenkt. Zugangsbeschränkungen müssen ausnahmslos abgeschafft werden – studieren muss allen Menschen möglich sein!

Bildungsökonomisierung – und was hat das mit mir zu tun?

Bologna 1999: die BildungsministerInnen aus insgesamt 31 Staaten, darunter auch Österreich, unterzeichnen eine Willensbekundung zu einem gemeinsamen europäischen Hochschulraum. Idee war die Einführung eines Systems, das Studienleistungen und Abschlüsse zu Gunsten einer besseren internationalen Beweglichkeit im Studium vergleichbar machen sollte – ECTS-Punkte und die Umstellung auf Bachelor, Master und PhD (Doctor of Philosophy). Aus der grundsätzlich guten Idee einer größeren Mobilität im Studium wurde jedoch ein beinharter Wettbewerb um die vordersten Plätze in diversen Unirankings. Statt Zusammenarbeit und Kooperation entwickelten sich Knock-out-Mentalität und Konkurrenzdenken zwischen den Universitäten.

Lissabon 2001: die europäischen Staats- und RegierungschefInnen setzen sich das Ziel, die EU bis 2010 zum „international wettbewerbsfähigsten, dynamischsten, wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen. Seitdem gibt die Europäische Kommission Empfehlungen heraus, wie denn dieses Ziel zu erreichen sei: den Mitgliedsstaaten wird unter anderem „empfohlen“, die Finanzierung der Universitäten und Fachhochschulen verstärkt über private Quellen zu organisieren – durch die Einhebung von Studiengebühren, Sponsoring und den direkten Verkauf von wissenschaftlichen Ergebnissen an die Wirtschaft.

Zusätzlich definiert GATS, das General Agreement on Trade in Services der WTO, Bildung als Ware – ebenso wie andere öffentliche Dienstleistungen im Gesundheits- und Sozialbereich.

Alle diese Entwicklungen dienen dazu, einen „Bildungsmarkt“ zu schaffen. Im Glauben, dass Leistungen durch Wettbewerb auch in diesem Sektor gesteigert werden können, soll Bildung nur mehr “den Besten Köpfen” zu Gute kommen und Bildung soll privatisiert werden. Für uns ist klar, dass alle Menschen ein Recht auf Bildung haben – das bedeutet auch, dass sie staatlich finanziert und sichergestellt werden muss. Bildung darf nicht nur auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sein, sondern muss zum kritischen und emanzipatorischen Denken und Handeln befähigen.